Aug
19
2010

Wer Grammatik besser beherrscht hat die besseren Chancen in Karriere und beim anderen Geschlecht.

Unsere Grammatik ist so kompliziert, damit wir an der Art ihres Gebrauchs besser die Fitness des Nutzenden ermessen und ihn/uns in die hierarchische Leiter einsortieren können. „Die Notwendigkeit, sich als Individuen im Spiel um Einfluss, Macht und sexuellem Erfolg miteinander messen zu müssen, hat den selektiven Druck zur Entwicklung von grammatischen Systemen aufgebaut.“

So die Theorie von Wolfgang Steinig, wie sie in seinem interessanten Buch Als die Wörter tanzen lernten vorgestellt wird. Also, liebe Jungs und Mädels: legt Euch ins Zeug, unsere Sprache ausgiebig zu lernen, um sie virtuos gebrauchen zu können. Je besser Ihr mit ihr umgehen könnt, desto mehr steigen Eure Chancen beim anderen Geschlecht (Beweis der Fitness) als auch im Spiel um die Macht im Unternehmen oder der Organisation, in der Ihr Euch bewegt.

Herr Steinig beschreibt an Hand vieler kleiner, eingängiger Beispiele, dass die Entwicklung unserer Sprache eher unter dem Druck der sexuellen Auswahl (siehe auch den Post Der verloren gegangene Schatz Darwins: die sexuelle Selektion – Wir haben ein großes Gehirn, weil der Mann buhlt und die Frau wählt) als der natürlichen Auswahl vonstattenging. Zum Schmunzeln gebracht hat mich unter anderem die Beschreibung der Dorfberatungen der Eipo, zeigt sie doch, dass wir a) noch immer ähnlich ticken und b) warum viele unserer Meetings mit zu vielen Teilnehmern in „Schwafelrunden“ ausarten.

Die Eipo, eine Stammesgesellschaft auf steinzeitlichem Niveau, angesiedelt im zentralen Bergland von West-Neuguinea, verhalten sich während ihrer Beratungssitzungen in unseren Augen sehr merkwürdig. Wenn ein Redner beginnt, fallen ihm sehr schnell andere ins Wort. Die Lautstärke schwillt an und bricht wieder zum Schweigen ab, bis ein anderer Redner wieder beginnt. Es sieht also so aus, dass die Bedeutung der Beiträge selbst eher weniger interessant ist. Auf die Frage, was Reden für sie bedeute, war die Antwort: „Wenn man nicht redet, das ist schlecht. Reden ist gut. Wenn Du nicht redest, dann bekommst Du keine Süßkartoffeln und keine Teyang-Gemüse“.

Wir sind zumindest so weit, die Redner in der Regel aussprechen zu lassen. Aber schaut man sich die Menge der Wortbeiträge in unseren Sitzungen an, so liegen unsere Platzhirsche vorn. D.h. anhand der Beiträge wird erst einmal die Hierarchie zurechtgerückt. Je mehr der Platzhirsch sagt, desto weniger trauen sich die Mitglieder der unteren Ebene. Besonders, wenn der Beitrag dann noch grammatikalisch erlesen war. Aber das braucht dann auch so seine Zeit. Und wenn die Runde groß ist, braucht es auch entsprechende, sozialisierende Beiträge. Und schont zerfasert die Sitzung. Effizienz hin oder her. An dem Mechanismus der sexuellen Auswahl kommen also auch wir nur schwer vorbei!? „Mein Auto, meine Villa, meine Yacht, …, und reden kann ich auch …“

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: , ,

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