Aug
07
2010

Wie sollen wir unseren komplexen Finanzmarkt geregelt bekommen, wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, das Ausrotten der für uns lebenswichtigen Haie zu verhindern?

Hammerhaie

Hammerhaie

Ich bin wieder zurück aus meinem Urlaub auf Fehmarn und habe im Gepäck eine Compliance Story der nachdenklicheren Art. Auf der Insel hatte ich die Gelegenheit, mir die Welt der Korallenriffe anzuschauen. In dem größten europäischen Aquarium beindruckten mich besonders die majestätisch dahin schwebenden „Könige der Meere“, einige große Haie.

Genau wie der Löwe als „König der Tiere“ in der Savanne reguliert der Hai das Ökosystem Meer. Nachweislich sterben die Korallenriffe schon innerhalb eines Jahres dort, wo der Hai komplett abgefischt wurde. Zuerst explodiert die Bevölkerung der nächst kleineren Räuber, die auf seinem Speiseplan standen. Diese Räuber dezimieren dann die vielen Pflanzenfresser. So vermehren sich dann die Algen und überwuchern alles andere Leben im Riff.

Was hat das nun mit uns Menschen zu tun? Ganz einfach: 70% des Sauerstoffs in unserer Luft wird durch die Pflanzen in den Meeren erzeugt, speziell den Riffen. Sterben die Riffe, geht uns die Luft aus (siehe Der T.-Rex der Meere – Ein Ökosystem verliert seinen Chef). Da scheint mir eine Finanzkrise das geringere unserer Probleme zu sein.

Im Prinzip sollte es ein Einfaches sein, die Haie und damit uns selbst zu schützen. Leider ist den Wenigsten der einfache Zusammenhang „toter Hai = totes Meer = toter Mensch“ bekannt. Zudem ist der Hai mit der Filmserie „Der weiße Hai“ dermaßen ins falsche Licht gestellt worden, dass lange Zeit Niemand diesem schon so lange auf der Erde weilenden Fisch irgendeine Sympathie entgegen bringen mochte. Erst der aufklärende Dokumentarfilm Hannes Jaenicke im Einsatz für Haie, der am 3.11.2009 umd 20:15h im ZDF ausgestrahlt wurde, hat das Image des Hai wieder etwas verbessern können.

Zudem ist die Angst des Menschen, von einem Hai gefressen zu werden, völlig unbegründet. Der Mensch passt überhaupt nicht ins Beuteschema des Hais. Die 10 Haiunfälle pro Jahr könnten sogar noch bei korrektem Verhalten bei der Begegnung mit dem Hai vermieden. Die folgende Tabelle zeigt, dass wir uns ohne groß nachzudenken viel gefährlicheren Dingen aussetzen:

10 Menschen sterben weltweit jährlich durch Haiunfälle
50 durch Flusspferde
150 durch herabfallende Kokosnüsse
2.000 durch Flugzeugabstürze
40.000 durch Schlangenbisse
410.000 durch Ertrinken
1.200.000 durch Verkehrsunfälle
2.100.000 durch Malaria
5.000.000 an den Folgen des Rauchens

Wurde der Hai bisher nur von einigen Haihassern verfolgt, stirbt er nun vermehrt durch die neuen Fangtechniken sowie den Verzehr seiner Finnen in Form einer Suppe durch die Chinesen. In unseren Breitengraden wird der Hai als Schillerlocke (Dornhai, inzwischen liegt das Kilo bei 60 €), Seeaal, Kalbsfisch, Speckfisch, Karbonadenfisch, Königsall, Steinlachs und Seestör verspeist.

Eine Portion Haiflossensuppe kostet etwa 150 US-Dollar. Es ist also ein reines Statussymbol wie „mein Auto, mein Haus, meine Yacht“. Denn die Flosse ist völlig geschmacklos und muss erst durch die Hühnerbrühe, um überhaupt nach etwas zu schmecken. Sie gehörte seit Mitte des 16. Jahrhunderts zur Festtafel der Kaisers von China. Und wer heute in China was auf sich hält, tischt sie zu seiner Hochzeit auf. 40 Haie müssen für solche Hochzeitsgesellschaften ihr Leben lassen. Inzwischen ist diese Suppe auch Statussymbol in Europa und besonders in den USA.

Leider wird der Hai erst spät geschlechtsreif. Und je nach Art bekommt ein Haiweibchen 2-100 Nachkommen. Ist der Bestand also erst einmal abgefischt, wird es schwierig, wenn gar unmöglich, dies wieder auszugleichen. Daher stehen schon viele Haiarten auf der roten Liste. Der Weiße Hai gilt sogar als biologisch ausgerottet. Es gibt zwar noch ein paar wenige, jedoch ist deren Arterhaltung nicht mehr gesichert.

Und da viele Haiarten inzwischen um 80% reduziert sind – bei 500.000 toten Haien pro Tag ist das kein Wunder – ist die Gewinnspanne beim Verkauf ihrer Finnen höher als im Drogengeschäft.

Da das Finning mittlerweile in vielen Ländern verboten ist, geht es hier um die Bekämpfung von Kriminalität. Aber so lange die Suppe als Statussymbol dient und die Art des Fischens nicht weltweit reguliert wird, so lange schaufeln wir uns wohl unser eigenes Grab.

Es gibt aber Hoffnung durch folgende Organisationen, die u.a. die United Nations angesprochen haben:

Den Titel dieses Posts habe ich so gewählt, da ich schon zuvor darüber berichtet habe, dass wir uns so viele Regeln geben können wie wir wollten, aber die nächste Finanzkrise dennoch kommen wird: Die Kunst des Compliance Management ist, nach den Ursachen für die Gier der Manager zu suchen, so Prof. Josef Wieland. Da scheint mir das Regulieren des “Haifischens” einfacher und machbarer!

Und wer es noch etwas plastischer mit der entsprechenden Untermalung mag, der wird wie immer auch auf Youtube fündig:

Und wer Haifischfleischessen cool findet: Der Hai befindet sich am Ende der Nahrungskette, d.h. sein Fleisch ist in der Regel vergiftet. Gar nicht gut für die Gesundheit …

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language,Video | Tags: , ,

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