Aug
15
2012

Wissenswertes zur DE-MAIL

Ich sitze gerade im Bitkom-Arbeitskreis Signaturen und höre mir einen Vortrag zur DE-MAIL an, einem Verfahren zur verbindlichen und vertraulichen Kommunikation sowie einer rechtssicheren Zustellung elektronische übermittelter Post. Hier die wichtigsten Fakten:

Das Versenden einer DE-MAIL kostet, d.h. pro Brief wird ein Betrag an den Anbieter fällig.

Die DE-MAIL ist kein Ersatz der E-Mail sondern “ist der digitale Brief”, so die Idee der Macher und wie es die Gesetzgebung inzwischen auch absichert. Ein an eine E-Mail-Adresse versendeter digitaler Brief gilt rechtlich als “zugestellt”. D.h. der Besitzer eines DE-MAIL-Accounts tut gut daran seinen Eingangskorb täglich einzusehen, so wie er auch seinen Postkasten leert.

Für die notwendige Sicherheit kann sich der Anwender auf dem Web-Portal mit dem neuen Personalausweis einloggen, oder via temporärem PIN oder mit einem Token. Es gibt Plugins für Mail-Programme, d.h. eine Mail die via DE-MAIL übermittelt wurde ist mit einem eigenen Icon erkennbar. Weitere Detailinformation über den Versand werden zudem angezeigt (z.B. persönlich, und Art der Bestätigungen).

Die DE-MAIL-Anbieter sind vom Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) zertifiziert. Gewonnen hat die Mentana Claimsoft, die zu erst durch war und damit die Nummer “0001″ im Zertifikat führt.

Für Firmen ist es möglich, sich per Gateway-Erweiterung an den DE-MAIL-Service anzudocken, sprich es muss etwas auf dem eigenen Server installiert werden. D.h. am Arbeitsplatz selbst ist nichts zu installieren.

Der elektronischen Briefverkehr zwischen Behörden und zwischen den Bürgern und den Behörden wird zukünftig über DE-MAIL erfolgen müssen, so ein Gesetz im Entwurf.

Die VITAKO bietet eine Positivliste von inzwischen 20 absolut sinnvollen Anwendungen.

Noch offen: rechtliche Sicherheit auch außerhalb Deutschlands – daran wird gearbeitet.

Auch das Ident-Verfahren lässt sich via DE-MAIL realisieren

Preise liegen zwischen 0,28 bis 41 Cent in Abhängigkeit von der Datenmenge. Hinzu kommen noch Aufschläge für Versandoptionen (z.B. Abholbestätigung für ca 60 Cent).

Im Falle der Gateway-Variante für Firmen-Mail-Server fängt es bei ca. 100 € für 10 Benutzer für ein Jahr an.

Für die Archivierung einer eingegangenen DE-MAIL gibt es noch einen wichtigen offenen Punkt: die Visualisierung der zusätzlichen Informationen dieser besondern Mail erfolgt bisher nur über ein Plugin im Mail-Client. D.h. steht bei einer spätere Visualisierung über das Archiv das Plugin nicht mehr zur Verfügung, lässt sich auch die Zusatzinformation nicht mehr anzeigen. Hier wird eine weitere Standard notwendig, zur Anzeige in Mail-Clients. Ich bin gespannt, wie lange diese Umsetzung braucht.

Achtung: Es wird nur der Zugang rechtlich gesichert, nicht jedoch der Inhalt der E-Mail. Wer hier weiter absichern möchte, sollte die eigentliche Nachricht selbst in einem PDF-Dokument unterbringen, dieses signieren und als Anhang der Mail versenden.

Aktuelle Nutzung:

Laut den drei Anbietern FB Mentana Claimsoft, T-Systems und Telekom haben sich inzwischen über eine Millionen Benutzer registriert, alerdings sind alle größeren Firmen noch nicht über erste Pilotbetriebe herausgekommen.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,electronic signatures | Tags:

16 Comments »

  • Andreas Kunze

    Danke, Martin, für die Information. Wozu brauche ich das (noch ein Mail-Account, überteuert, dazu mit Lesepflicht)?

    Ich bestelle ja nicht täglich einen Anwohnerparkausweis oder beantrage die Ausstellung eines Führungszeugnisses.

    Comment | 15 August 2012
  • Hallo Herr Kunze,
    De-Mail ist kein weiterer Mail-Account, sondern eine digitale Alternative zur Papierpost – speziell dann, wenn Sie Fristigkeiten o.ä. beachten wollen. Somit ist es nicht überteuert, sondern deutlich schneller und preiswerter, als der Brief. Dabei geht es nur zum Teil um Parkausweise und vergleichbares, denn die deutlich höhere Nutzung von De-Mail ist im Kontakt mit der Wirtschaft zu erwarten. Ich freue mich über diese Diskussion – gerade als Vortragender, der ich gerade sein durfte.

    Comment | 15 August 2012
  • Rudolf Gessinger

    DE-mail: wer nutzt das wirklich? nach Jahren keine konsequente Verbreitung, keine Internationalisierung (wenigstens EU wäre doch wünschenswert), konkurrierende Verfahren in Deutschland. Ich bin schon bei 2 Verfahren registriert als Early Adopter: finde nach langer Zeit immer noch kaum Adressaten. Nachdem mir 4 Monate niemand geschrieben hatte, schaute ich auch nicht mehr im Postkorb nach. Dann ist doch das alte Einschreibeverfahren (ja, es sind höhere Kosten) immer noch super: erreiche jeden, werde dann angesprochen wenn wirklich ein Anliegen vorliegt. DE-mail und die konkurrierenden Verfahren erinnert mich an die alte BTX Diskussion in Deutschland der 90er Jahre vs. Minitel in Frankreich. In Deutschland war man stolz auf die potentielle Leistungsfähigkeit, auch alles noch in Farbe, man lächelte über das “primitive” Minitel in schwarz-weiss. Letztendlich hatte Minitel zig-fach mehr Nutzer, weniger Steuergelder verprasst. Deutschland gewann den Technologie Preis, wegen Komplexität und mangelnder Nutzerakzeptanz führte BTX ein unwürdiges Schattendasein. Mehrere Trust-Center in Europa, gleichzeitig unterschiedliche Verfahren machen die heutigen Angebote für Unternehmen und auch für Privatpersonen quasi unnutzbar. Da sind wir mit der Briefmarke doch schon deutlich weiter.

    Comment | 16 August 2012
  • Jürgen Vogler

    Hallo zusammen. Ich meine, dass De-Mail ersteinmal ein “innerdeutsches” Verfahren ist. Das hat zwei Gründe, denn einerseits ist “rechtssicher” in Deutschland nicht gleichzusetzen mit “rechtssicher” in einem anderen Land und somit ist nicht die Technik – sondern das Recht inkompatibel und andererseits glaube ich, dass der weitaus größere Prozentsatz der bisherigen Briefeinschreiben innerhalb Deutschlands versendet wird – und nicht über die Landesgrenzen hinaus. Wie dem auch sei: Mentana Claimsoft hat im SPOCS-Projekt die länderübergreifende, technologische Kompatibilität bewiesen …. der Rest wird sich zeigen/wird kommen. Und wer das nutzt? Noch zu wenige, aber es werden (langsam aber stetig) immer mehr. Es wird zur Zeit (nur meine Wahrnehmung) immer stärker von Firmenkunden und auch Behörden nachgefragt, die mit einem bestimmten Nutzerkreis dies auch aktiv verwenden. Der Schritt in die breite Masse und damit mit einer permanenten Nutzung verbunden, wird erst verzögert erfolgen. Da De-Mail ja der Ersatz der Papierpost werden könnte / nicht jedoch der “normalen” eMail wird auch die Anzahl der eingehenden De-Mails eher mit der Anzahl der bisherigen Briefe vergleichbar sein – nicht mit der Anzahl der Mails.

    Comment | 16 August 2012
  • Dr. Martin Bartonitz

    Was mir bei DE-Mail so richtig fehlt ist, dass ich keine Beweis darüber erhalte, was der Inhalt der Nachricht war, und ob dieser unverfälscht beim Absender angekommen ist. Bestätigt wird nur wie beim Brief, dass etwas wann angekommen ist.
    Wir nicht heute auch schon davon ausgegangen, dass eine Mail als zugestellt gilt, wenn ein Postfach offiziell, z.B. per Visitenkarte oder Internet-Auftritt oder sonstige Veröffentlichung bekannt gemacht wurde?
    Wenn ich also sicherstellen möchte, was ich gesendet habe, dann werde ich doch selbst signieren, und wenn ich einen besonderen Schutz benötige, auch noch verschlüsseln. Und was ich verschickt habe entsprechen revisionssicher und damit mit hohem Beweiswert speichern?

    Comment | 16 August 2012
  • Jürgen Vogler

    Hallo Herr Dr. Bartonitz, was soll ich sagen: Genau! Die De-Mail liefert “im Standard” nur den Zustellungsnachweis und nicht die Bestätigung des Zugangs des korrekten Inhalts. Wenn das wirklich für ein Schriftstück nötig ist, gibt es nur die Möglichkeit, das entsprechende Schriftstück zusätzlich zu signieren und zu verschlüsseln. Es wird zur Zeit ja diskutiert, ob und wie die De-Mail auch die qeS ablösen könnte / sollte – eventuell reicht dann auch nur die De-Mail, die im hohen Authentifizierungsniveau geschrieben und versendet wurde. Beste Grüße, Ihr Jürgen Vogler

    Comment | 17 August 2012
  • De-Mail ist wieder einmal eine typisch deutsche Sonderlösung. Der rechtlich sichere Charakter einer De-Mail bleibt nur innerhalb des De-Mail-Systems gewahrt. Wird eine De-Mail exportiert in andere Umgebungen, z.B. zur Weiterleitung in einem herkömmlichen E-Mail-System, gehen die Sicherheitsmerkmale verloren. Die langfristige Aufbewahrung innerhalb des De-Mail-Systems, wenn man z.B. Aufbewahrungsfristen größer 10 Jahre hat, ist ungeklärt (vom Nachsignieren offizieller, von Behörden mit qualifizierter elektronischer Signatur zugestellte Urkunden innerhalb De-Mail mal ganz zu schweigen …). Organisatorische und Prozess-Risiken entstehen durch den zusätzlichen Medienbruch, dass ein Mitarbeiter nun in noch mehr elektronischen Postfächern ständig nachsehen muss, ob und wo sich eine wichtige, weil ja gegebenenfalls zugestellte, Information befindet. In Unternehmen macht die direkte persönliche Zustellung Probleme, wenn es um Vertreter-, Urlaubs- oder Stellen-/Verantwortungs-/Zuständigkeits-Wechsel geht. Diese und andere Mängel wurde auch in unserer Gruppe “Information & Document Management” auf XING bereits mehrfach diskutiert: http://bit.ly/X-IDM

    Comment | 17 August 2012
  • Jürgen Vogler

    Natürlich ist die De-Mail erst einmal (wie der Name ja auch sagt) eine deutsche Lösung, da die Themen um Einschreiben, Authentifizierung und rechtssichere Zustellung auch deutschem (und nicht internationalem) Recht unterliegen. mentana Claimsoft hat im Spocs-Projekt die internationale (technische) Kompatibilität nachgewiese und da andere Länder ähnliche Lösungen vorantreiben, ist auch mittelfristig von einer rechtlichen Interoperabilität auszugehen, auch wenn das nicht so entscheidend ist, denn es dürfte unstrittig sein, dass es prozentual nur wenige grenzüberschreitende Einschreiben gibt. Auch langfristige Speicherung ist nicht abgelöst, sondern Ideen und Lösungsszenarien liegen dafür vor. sie müssen nur bei der Implemetierung mit umgesetzt werden. Da De-Mail für Firmen und Behörden über Gateways eingesetzt wird oder auch direkt in Fachverfahren eingebunden werden kann, kann ich auch nicht zustimmen, dass Mitarbeiter weitere Postfächer kontrollieren müssen – gerade bei der Mentana Lösung erfolgt eine “Vollintegration – z.B. In Outlook – also ohne weitere Postfächer. Das es Vertreterregelungen geben muss ist selbstverständlich, aber die werden technisch leicht administrierbar hinterlegt, so wie auch Abwesenheitsagenten und Regelungen für Papierpost im Urlaubsj/Kankheitsfall getroffen werden müssen. Ich würde mich freuen, zu Ihrem AK eingeladen zu werden, um diese und weitere Vorteile mit Ihnen zu diskutieren.
    Ihr Jürgen Vogler

    Comment | 18 August 2012
  • Jürgen Vogler

    Einmal noch zum Thema De-Mail: Es ist schade, dass zur Zeit Pressemitteilungen kursieren, die De-Mail würde zur Ifa in Berlin starten. Daher hier auch die “Wahrheit”: Die Telekom wird ihren Dienst zur Ifa vorstellen. Nicht mehr und auch nicht weniger. Der Dienst existiert jedoch bereits seit einem halben Jahr bei der Mentana Claimsoft – ein Tochterunternehmen der Francotyp Postalia. Hier sind bereits viele Privatkunden und Firmen nicht nur “vorgemerkt” oder “registriert”, sondern arbeiten bereits erfolgreich mit dem wirklich guten System der Mentana Claimsoft …

    Comment | 23 August 2012
  • Der Umgang mit DE-Mail sollte aus Kundensicht vor allem einfach, eben kunden-/clientorientiert, sein. Bisher sehe ich bis auf den niedrigeren Preis und den elektronischen Zugriff keinen Vorteil – vor allem, wenn die Kunden/Clienten gezwungen werden ihr Postfach täglich zu überwachen. Da stellen sich einige Fragen: Was passiert, wenn auf die DE-Mail eine automatische Abwesenheitsnotiz gesendet wird? Wann ist dann der Fristbeginn bzw. gilt sie als rechtzeitig zugestellt? Werden die Verbraucher diese Lösung zur Kommunikation wirklich nutzen oder muss sich hierfür erst ein neues Komm.-Verständnis bei den Bürgern bilden? / Anyway: Danke für den schönen Post!)

    Comment | 23 August 2012
  • In den vorhergehenden Diskussionsbeiträgen ging es unter anderem um den wichtigen Punkt “Wer kontrolliert eingehende DE-Mails im Falle von Abwesenheit?” (= Regelung für Vertretung).

    Im Zuge der Diskussion im AK Signaturen bei BITKOM wurde die Frage gestreift wie eingehende DE-Mails durch private Nutzer bei Abwesenheit zu behandeln sind.

    Potentielle private Nutzer sehen momentanem Kenntnisstand des Autors dieser Zeilen unter anderem folgende Rechtsnachteile beim Vergleich Zustellung per Papierpost und per DE-Mail:

    1. Einschreiben muss man nicht annehmen
    2. Einschreiben können im Urlaub nicht zugestellt werden
    3. Fristen laufen bei DE-Mail auch bei Urlaub etc.
    4. Klassischer Briefkasten kann Urlaubsvertretung anvertraut werden, ohne dass diese verbindlich in Vertretung kommunizieren kann
    5. Überwachungspflicht für DE-Mail Account

    Bei Punkt 1 ist wohl das “Übergabe-Einschreiben”, nicht das “Einwurf-Einschreiben” gemeint.

    Für private Anwender scheint es auch nicht zumutbar, dass diese ihrer Kontrollpflicht für den Account wirklich ununterbrochen online nachkommen müssen. Man stelle sich nur mal vor da macht jemand bewusst einen “Offline-Urlaub” als Burnout-Prävention…

    Für sachdienliche Hinweise wie die o.g. Bedenken potentieller privater Nutzer über mögliche Rechtsnachteile entkräftet werden können, sind sicher die Leser dieser Diskussion dankbar. Wer also hier zur Aufklärung beitragen kann, möge diese gerne mittels einem weiteren Kommentar tun.

    Großanlässe wie IFA und CeBIT werden bekanntlich gerne von der Telekom und der Deutschen Post verwendet um für ihre Verfahren der elektronischen Post (“Online-Briefe”) zu werben. Die IFA soll nun also das Startsignal zur Bewerbung des DE-Mail-Angebotes für Privatnutzer werden.

    Wenn ich es korrekt verstehe, ist für einen Erfolg dieses Verfahrens notwendig, dass private Nutzer (= Bürger) in großer Zahl mitmachen, da diese ja erreichbar sein sollen, so dass letztlich Behörden und Unternehmen Kosten beim Versand einsparen können.

    In der CW 20/12 vom 14. Mai 2012 wurde die Frage gestellt “Wer gewinnt mit De-Mail?”
    http://www.computerwoche.de/netzwerke/web/2507959/
    (Kompletter Bericht inklusive Übersicht zu Tarifen online abrufbar.)

    Für private Nutzer abgeleitet heißt die explizite Frage “Was bringt es mir oben genannte Rechtsnachteile in Kauf zu nehmen und in dieses Verfahren Zeit, Geld und Nerven zu investieren?”

    Blenden wir also mal die Einführungskampagnen aus und suchen nach wirklichem Nutzen für den privaten Anwender und ob dieser diesen Nutzen als für sich relevant und vorteilhaft empfindet.

    ( Die Einführungskampagnen zur Registrierung einer DE-Mail oder E-Postbrief-Adresse warben mit Gewinnen (Autos, iPads etc.) und/oder dem Hinweis man möge sich baldmöglichst “seine” Wunsch-E-Mail-Adresse sichern. Über die tatsächliche Intention zur Nutzung der DE-Mail )

    *** Kommunikation mit Behörden

    Erko Grömig, Referent für E-Government-Anwendungen beim Deutschen Städtetag (DST), schlägt vor, dass Behörden Kosteneinsparungen durch DE-Mail an die Nutzer weitergeben sollten.

    Wie oft nutzt man die entsprechenden Vorgänge? Schon bei der gescheiterten Einführung der qual. el. Signatur war die ernüchternde Erkenntnis das der Durchschnittsbürger gar nicht so häufig mit seiner Behörde zu kommunizieren hat und wenn dann werden diverse Vorgänge bei einem Behördengang (Gang im wahrsten Sinn des Wortes) abgewickelt. Das Anwendungsbeispiel “Beantragung Reisepass / Personalausweis” ist also nicht unbedingt die Killer-Applikation für den Bürger. Hier hilft die VITAKO-Positivliste um schnell zu sehen welche persönliche Relevanz die dort identifizierten Vorgänge für einen selbst haben und ob man für die Abwicklung dieser Vorgänge
    http://www.vitako.de/Publikationen/Documents/Vitako_Positivliste%20elektronische%20Prozesse.pdf

    *** Kommunikation mit Versicherungen

    Befürworter der DE-Mail sehen die DE-Mail hier als Alternative zu den Online-Portalen der Versicherer. Hier scheint es aber, ähnlich wie bei den Banken, unterschiedliche Strömungen bei den Versicherern zu geben. So manche Bank und Versicherung sieht es gerne wenn sich ihre Kunden aus Marketing-Gründen möglichst lang in ihrer “virtuellen Filiale” tummeln.

    Steffen Heyde, Portfolio Manager beim IT-Sicherheitsdienstleister Secunet, wird in der CW mit folgender Aussage genannt: “Den Weg in die Privathaushalte könne De-Mail allenfalls über die Unternehmen finden, die ein besonderes Interesse daran haben, die Kommunikation mit ihren Kunden digital und rechtsverbindlich zu betreiben.” Das hiesse, es gelte Unternehmen zu finden die letztlich die Einführung der DE-Mail bei privaten Anwendern aus eigene Interesse incentivieren / subventionieren.

    Ob wir zu diesem Punkt auf der IFA in Berlin von Seiten der DE-Mail-Anbieter Konkretes hören werden? Oder – gerne – auch von Lesern dieses Blog-Eintrags.

    Comment | 24 August 2012
  • Jürgen Vogler

    Hallo mal wieder zusammen, ich versuche ein wenig weiteres Licht in die Angelegenheit zu bringen.

    Herr Lenz wünschte sachdienliche Hinweise zu:

    “1. Einschreiben muss man nicht annehmen
    2. Einschreiben können im Urlaub nicht zugestellt werden
    3. Fristen laufen bei DE-Mail auch bei Urlaub etc.
    4. Klassischer Briefkasten kann Urlaubsvertretung anvertraut werden, ohne dass diese verbindlich in Vertretung kommunizieren kann
    5. Überwachungspflicht für DE-Mail Account

    Für private Anwender scheint es auch nicht zumutbar, dass diese ihrer Kontrollpflicht für den Account wirklich ununterbrochen online nachkommen müssen.”

    Zu Punkt 1. und 2. glaube ich auch, dass nur das Übergabeeinschreiben gemeint ist. Einwurfeinschreiben, Postzustellungsurkunden, usw. gehen alle ein – oder man müsste den Briefkasten von der Wand reißen :-) Aber auch bei De-Mail ist es ja nun so, dass ein Eingang erst nach Zugangseröffnung erfolgen kann. Somit ist der De-Mail Briefkasten für die “Knöllchen” u.ä. erst einmal zu.

    Zu 3. gilt natürlich, dass auch die Fristen im Urlaub laufen, wenn mir eine PZU oder ähnliches in den Briefkasten zugestellt wird. Vorteil der De-Mail wäre, dass ich hier auf elektronischem Wege auch aus dem Urlaub davon erfahren könnte und reagieren könnte.

    4. Stimmt – darüber sollte nochmals nachgedacht werden. Grundsätzlich gilt aber (für Handys, Kreditkarten, Haus- und Briefkastenschlüssel und De-Mail Account Zugänge), dass man sich schon überlegen sollte, wem man zu was berechtigt. Einfach lösen könnte man dies, indem man einfach nur als Urlaubsvertretung der De-Mail-Adresse den Benutzernamen und Passwort weitergibt – damit kann die Vertretung sehen, was eingegangen ist, aber nicht die De-Mail in beschriebener Weise ausnutzen, da die Vertretung den dafür notwendigen Token nicht hat.

    5. Überwachungspflicht: Ja…..wenn ich freigegeben habe, sollte ich auch nachsehen. Ich sehe ja auch im Briefkasten nach. Ich halte das auch (bitte nicht persönlich nehmen) teilweise für ein Scheinargument, denn nur IT-affine Menschen werden sich De-Mail zulegen und diese sind meist “always on”….dann können sie halt nicht nur twittern, Facebook nutzen, usw. sondern sehen noch nach Post – ist das wirklich ein Problem?

    Dann noch der Hinweis auf wirkliche Nichterreichbarkeit. Dann hilft nur die “Krücke”, der von mir beschriebenen Vertretung oder es muss hinterher nachgewiesen werden, dass die De-Mail nicht empfangen werden konnte, was bei entsprechenden Krankheitsfällen ja möglich sein müsste.

    Aber es stimmt schon, so gut, wie die De-Mail schon jetzt ist, so sollte sie weiterentwickelt werden und andererseits: Es ist ein junges Produkt (seit einem halben Jahr am Markt) und muss auch das Recht haben, noch weiterentwickelt zu werden.

    Jetzt haben wir noch das Thema “wo macht De-Mail Sinn”? Bitte kontaktieren Sie mich hierfür direkt – nur soviel: Es gibt schon viele Kunden, die De-Mail nutzen und sehr zufrieden sind und ja: Zuerst werden es vermutlich eher die Firmen sein, dann oder parallel die Behörden und langsam ansteigend auch die privaten Nutzer.

    Comment | 24 August 2012
  • Jürgen Vogler

    Hallo Herr Mertens, danke für Ihr Posting – ich hoffe mit meiner vorherigen Post habe ich einiges beantwortet aber ich muss zugeben, dass ich am Längsten über folgenden Satz von Ihnen nachgedacht habe:

    “Werden die Verbraucher diese Lösung zur Kommunikation wirklich nutzen oder muss sich hierfür erst ein neues Komm.-Verständnis bei den Bürgern bilden?”

    Das weiß ich natürlich nicht – aber ich glaube: Ja!

    Ich glaube auch, dass das nicht nur ein De-Mail Thema ist, sondern die Verbraucher werden generell (vielleicht??) ein neues Komm.-Verständnis entwickeln (müssen??).

    Mit viel Freude sind viele Verbraucher auf Phishingseiten oder ähnlichen Gelegenheiten im Internet betrogen wurden, Konten wurden geplündert, Offenheit bei Facebook hat Karrieren und Leben zerstört, google/apple und vergleichbare Unternehmen werten Verbraucherdaten bis weit über jede moralische Grenze hin aus und verdienen mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen. Darüber hinaus haben schlecht geführte ePartizipationen auch mehr Schaden, als alles andere angerichtet (ich sage nur Bud-Spencer-Brücke) :-)

    Gut – vielleicht überzeichne ich das ein wenig, aber das hat schon häufig den Ruf nach mehr Sicherheit auf den Plan gebracht. Und daher glaube ich schon, dass der Verbraucher wieder mündiger wird. Auch wirklicher Besitzer der Daten sein will und aktiv entscheidet wer und was damit gemacht wird. Dazu gehört auch, dass es viele Verbraucher geben wird, die mit Spam, Phishing-Mails und unsicheren Mails zu tun hatten.

    All dies kann die De-Mail (und auch das De-Ident-Verfahren) sicherlich nicht lösen – aber vielleicht die digitale Welt ein wenig sicherer machen und den Briefeversand komfortabler und preiswerter und ja – der Verbraucher hat schon begonnen umzudenken und wird diesen Weg auch weitergehen….denn zu oft merkt man, dass der Bedarf daran groß ist.

    Comment | 24 August 2012
  • Herrn Vogler -> Vielen Dank für die Stellungnahme zu einigen Punkten meines vorherigen Postings. Diese Diskussion hier ist erhellender als mancher Beitrag in aktuellen Fachzeitschriften.

    Rund um die IFA gibt es nun einiges Neues…

    Für private Nutzer, die sich hier für DE-Mail eher als Empfänger denn als Versender sehen, ist der Preis-Ansatz der Deutschen Telekom:

    “Privatkunden können bis zum 31.12. 50 De-Mails pro Monat gratis versenden, ab 2013 drei DE-Standard-Mails pro Monat, jede weitere kostet 0,39 Euro.”

    U.a. ZD Net berichtet über den Versuch DE-Mail auf der IFA zu bewerben:
    http://www.zdnet.de/88121343/ifa-gmx-und-web-de-geben-preise-fur-de-mail-bekannt/

    U.a. in Fachzeitschriften wie “Banken & Sparkassen” outet sich die Targobank als DE-Mail-Vorreiter. Hier die Original-Pressemitteilung des Kreditinstitutes wie sie am 31. August an Journalisten über den Verteiler von News Aktuell übersandt wurde:

    http://www.presseportal.de/pm/78980/2316645/targobank-mit-de-mail-sicher-und-bequem-kommunizieren

    Hieraus zitiert Beispiele für Anwendungsfälle:

    “Insgesamt hat die TARGOBANK rund 600 Kundenvorgänge identifiziert, die per De-Mail erledigt werden können, zum Beispiel:
    - Anschriften ändern,
    - Konten und Depots eröffnen und schließen,
    - Einschreiben versenden,
    - Freistellungsaufträge anpassen,
    - Kreditkartenlimits erhöhen oder Kredite stunden,
    - Bonuspunkte einer Kreditkarte einlösen,
    - Nachlassfälle bearbeiten,
    - Kontoauszüge, Wertpapier- oder Kreditkartenabrechnungen versenden.”

    Ob alle diese Vorgänge schon jetzt sofort als DE-Mail-Anwendung zur Verfügung stehen, konnte ich bislang (noch) nicht in Erfahrung bringen.

    Comment | 1 September 2012
  • Jürgen Vogler

    Hallo Herr Lenz,

    vielen Dank! Einerseits über Ihre Informationen und andererseits auch für Ihre Einschätzung, dass auch Sie die Diskussion in diesem Blog für gut halten. Mir macht das Thema wirklich “Spaß” und als Produktmanager der Francotyp Postalia für E-Business ist es ja auch meine Aufgabe zu informieren, zu diskutieren und auch kritische Fragen entweder zu beantworten oder dafür zu sorgen, dass die zukünftige Produktentwicklung diese Antworten zu einem späteren Zeitpunkt geben kann.

    Zur Targobank habe ich auch keine weiteren Infos….”600 Kundenvorgänge identifiziert, die per De-Mail erledigt werden können….” hört sich jedoch nicht nach Umsetzung, sondern nach Möglichkeit an. Ich kann hier die mhplus beisteuern: http://www.francotyp.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/fp-konzern-gewinnt-neue-kunden-fuer-die-de-mail.php
    und auch einige Behörden haben schon die Lösung der Francotyp Postalia genommen.

    Beste Grüße,
    Jürgen Vogler

    Comment | 3 September 2012
  • Dr. Martin Bartonitz

    Sieht so aus, als hätte die Firma von Herrn Vogler Alles richtig gemacht, zumindest was die eID-Funktion des neuen Personalausweises angeht. Liest sich wie eine Satire;

    Vorbereitung: Neueste AusweisApp laden, installieren, starten – geht (Erleichterung). Ich schließe den einzigen zertifizierten Komfortleser an, den es gibt, den cyberJack RFID komfort von ReinerSCT. Komfort heißt sehr teuer und sehr sicher. Als ich den Ausweis einlege, warnt die AusweisApp: “Es ist unklar, ob das Kartenlesegerät korrekt und sicher funktioniert.” Denn seit der Zertifizierung seien Treiber oder Firmware geändert worden. Ist das dann überhaupt noch sicher? Sicher. Ich lass mich doch von den Spaßvögeln beim BSI nicht ins Bockshorn jagen. …
    Ich will nicht Tage auf mein De-Mail-Postfach warten und wechsle zu FP/Mentana Claimsoft. Hier kann man seine Daten ohne Umweg per eID-Funktion anliefern. …

    Gefunden in: De-Mail und ePerso: Bundestechnik vom Feinsten

    Comment | 7 September 2012

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