Feb
13
2009

Zurück in die Steinzeit? EU Kommission empfiehlt die e-Rechnung der Papierrechnung gleichzustellen!

Unsere Empfehlung an die Commission lautet daher, auf den Einsatz der Signatur für den elektronischen Rechnungsverkeht nicht zu verzichten.

"Lassen Sie sich nicht von der EU-Direktive irritieren und verschieben Sie nicht Ihre Vorhaben auf eine Zeit nach der Änderung."

Im Januar 2009 hat die EU Kommmission ihre Empfehlung für Änderungen an den Richtlinien für die Handhabung der Rechnungsstellung (Directive 2006/112/EC) zum zwecke der Entbürokratisierung veröffentlicht. Neben einer Reihe von Harmonosierungen der Verfahren in den einzelnen Ländern für die Vereinfachung des Länder-übergreifenden Rechnungsaustausches wird vorgeschlagen, die explizite Anforderung der Signierung einer elektronischen Rechnung wieder zu streichen  (Hier der Vorschlag EU-Kommussion)). Damit würde die elektronische Rechnung der Papier-basierten wieder gleichgestellt. Damit wird auf das hohe Potential des Nachweises der Integrität der Rechnung während der Übermittlung als auch auf die Authentizität des Urhebers verzichtet, das gerade mit der elektronischen Rechnung möglich ist. Gleichzeitig erleichtert der Wegfall der Signatur die Tätigkeit von Betrügern. Es ist wesentlich leichter und billiger gefälschte Rechnungen (Maskerade: Ausgabe als anderer Absender, aber mit eigener Kontonummer) in Masse zu versenden.
Die Empfehlung wird unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung ausgesprochen. Die Unternehmer sollen mit den zukünftigen Anpassungen 25% weniger Kosten für die Verabeitung von Rechnungen aufwänden müssen. Nicht bedacht wurde dabei, dass aufgrund der dann steigenden Betrugsfälle dieselben Unternehmen entweder direkt (selbst betroffen) oder indirekt (Steuerausfälle) die eingesparten Gelder wieder an anderer Stelle einbüßen.
Verweisen möchten wir auf einen sehr ausführlichen Beitrag von Peter tom Suden im Xing, aus dem hier der folgende Absatz zitiert werden soll:
“Es ist aus meiner Sicht zu begrüssen, dass der deutsche Gesetzgeber hier seinen Ermessensraum ausnutzte. Man hat sich aus gutem Grund für die QES (Anmerkung: qualifizierte elektronische Signatur) entschieden. Wie üblich wird hier in aus Kreisen der halbwissend-betroffenen auf den bösen Steuergesetzgeber geschimpft. Der hat die Schelte aber nicht verdient. Die QES ist der eigenhändigen Unterschrift weitestgehend gleichgestellt. Vor allem handels- und zivilrechtlich brauchte man eine Vertrauensqualität oberhalb der fortgeschrittenen Signatur. Und erfreulicherweise ist der deutsche Gesetzgeber nicht den österreichischen Weg gegangen. Das hätte nämlich bedeutet, redundante Strukturen in den Unternehmen aufbauen zu müssen, wenn Vorgänge unterschiedlich signiert werden müssen und für die österreichischen Unternehmer bedeutet der Einsatz der fortgeschrittenen Signatur vor allem Einsatz von pgp, und das heisst: nicht standardisierte Schnittstellen en masse. Was das wiederum für unsere Kollegen Wirtschaftstreuhänder, die Auftrags-FiBu machen, bedeutet, höre ich gelegentlich.”
Die Motivation der Nutzung der QES wird in der Europäischen Richtlinie 2001/115/EG. Vorrangig geht es um den Schutz des Empfängers:
- Unversehrtheit des Inhalts
- Gewährleistung der Echtheit der Herkunft ist zu gewährleisten
Ziel ist es also, dem Empfänger ein Mittel an die Hand zu geben, einen möglichen Betrug umgehend erkennen zu können.
Ein weiteres Ziel ist es, den ausgewiesenen Rechnungsabsender zu schützen. D.h. nur eine Rechnung mit seiner QES ist eine von ihm ausgestellte und somit gültige Rechnung.

Der deutsche Gesetzgeber hat die Notwendigkeit der Bekämpfung des Umsatzsteuerbetruges erkannt und hat deshalb bei der Umsetzung der EU-Richlinie diese noch im Umsatzsteuergesetz §14 verschärft. Ohne die QES wäre es ein sehr viel Leichteres, gefälschte Rechnungen in Massen elektronisch zu erstellen und zu versenden. Im Gegensatz zum bisherigen Papier-basierten Betrug entfallen die Porto-/Materialkosten und es können weitaus mehr Adressaten eingebunden werden. Beim Papier ist ggf. ein Gutachter noch in der Lage, eine gefälschtes Dokument zu erkennen.
Zusammenfassend bleibt nur zu konstatieren:
Eine Abkehr von den Sicherheitsmaßnahmen auf der Basis der QES im derzeitigen elektronischen Rechnungsverkehr nur aufgrund von vordergründigen Einsparungen wäre völlig unangebracht.
Oder auch anders:
Es kann nicht sein, dass durch Einsparungsmaßnahmen in den Rechnungsprozessen der Firmen (Stichwort Entbürokratisierung) Tür und Tor für Betrügereien geöffnet werden, deren Kosten dann wieder indirekt durch dieselben Firmen getragen werden müssen.

Unsere Empfehlung an die Commission lautet daher, auf den Einsatz der Signatur für den elektronischen Rechnungsverkehr nicht zu verzichten. Die Empfehlung an die Unternehmer: Lassen Sie sich nicht von dem Vorschlag irritieren und verschieben Sie nicht Ihre Vorhaben auf eine Zeit nach der Änderung. Diese wird nicht vor 4 Jahren kommen. In dieser Zeit haben Sie die Einsparung schon längst wieder drin.

Gez.
Dr. Martin Bartonitz, SAPERION AG
Sascha Windisch u. Björn Kron, maxence operations GmbH

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2 Comments »

  • Da jede signierte Rechnung Geld kostet und viel viel Aufwand bedeutet, halte ich diesen Vorschlag für Klasse !!!

    Comment | 3 August 2009
  • Martin Bartonitz

    Zur Info dazu:

    “TeleTrusT begrüßt den Report der EU-Expertengruppe zur elektronischen Rechnungslegung (E-Invoicing) grundsätzlich und steht bereit, sich an der europaweiten Diskussion der Ergebnisse zu beteiligen. Die Expertengruppe hatte einen „Minimalkonsens“ auf Basis des European Electronic Invoicing Frameworks (EEIF) empfohlen, der „interne Kontrollen“ nach zukünftiger Definition der einzelnen Mitgliedsstaaten vorsieht. TeleTrusT warnt jedoch vor den Konsequenzen einer Umsetzung der Empfehlungen aus dem aktuellen Report. Siehe hierzu die TeleTrusT-Presseinformation von heute unter:

    http://www.teletrust.de/startseite/pressemeldung/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=129&cHash=66c6742df2

    Comment | 12 January 2010

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