May
31
2010

Warum die Überlebenschancen von BPEL mit BPMN 2.0 kleiner werden …

BPM Round-Trip

BPM Round-Trip

BPEL – Business Process Execution Language – und XPDL – XML Process Definition Language – waren bisher die beiden Prozessausführungssprachen (XML-formate) für Workflow bzw. Process Engines. Viele grafische Tools, mit denen Aufgabenketten modeliert weren können, wie iGrafix, ARIS, Signavio oder BizAgi bieten entsprechende Export-Schnittstellen, so dass Engines diese Modelle übernehmen und ausführen können sollen. Dass das Thema der Prozessübergabe von den Prozessanalytikern zu den IT-Engineers nicht ganz einfach ist, habe ich in meinem Artikel BPM Round-Trip Engineering beschrieben.

Mit der Version 2.0 der grafischen Notation BPMN, stehend für Business Process Model and Notation, kommt nun in diesem Jahr noch mit seiner Serialisierung eine weitere Möglichkeit zur Ausführung von Prozessen. Und damit wird es BPEL noch schwieriger haben, da sich BPMN angeschickt hat, sich als Standard für die grafische Beschreibung von Flussdiagrammen durchzusetzen. BPEL ist aber Block-orientiert, d.h. wenn BPMN nach BPEL transformiert wird, sieht das Diagramm anders aus. Und wird dem Anwender zur Laufzeit ein anderes Diagramm gezeigt als er zur Design-Zeit mit dem Analysten durchgesprochen hat, sollte die Akzeptanz sinken.

Daher vermute ich, werden zukünftig Process Engines Vorteile haben, die die BPMN 2.0 Serialisierung ausführen und nicht BPEL. Dann klappts auch mit den Anwendern besser, sehen sie doch zur Design- und Run-Time dasselbe Modell.

Anwendersicht auf den Prozessstatus

Anwendersicht auf den Prozessstatus

Die Grafik zeigt beispielhaft, wie ein Anwender sich zu einem Dokument informieren kann, in welchem Bearbeitungsschritt es sich gerade befindet. Hier hat der Anwender in einem Repository “Accouting” eine Suche über Rechnungen durchgeführt und in der Ergebnisliste zwei Einträge gefunden. Für den ersten Eintrag hat er sich das Prozessdiagramm über den entsprechenden Tab auf der rechten Seite zur Ansicht gebracht. Was hier noch fehlt, ist die Markierung der aktuellen Aktivitäte “Rechnung sachlich richtig zeichnen”.  Die Oberfläche ist ein Prototyp der SAPERION Version 7 mit einem Mashup zur Präsentation des Ablaufs im Signavio Process Viewer. Die BPMN-basierte Prozessdefinition ist im Signavio Process Editor erstellt und an SAPERION Workflow übergeben worden.

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Written by Dr. Martin Bartonitz in: deutsch,general,language | Tags: , , , , ,

2 Comments »

  • Hallo Herr Bartonitz,

    langfristig teile ich ihre Vermutung, allerdings glaube ich, dass dabei mehr der Hype als die Modelldivergenz zum Erfolg verhelfen wird. Zum einen kann man BPEL wunderbar graphisch modellieren solange man keine “arbitrary cycles” verwendet. Für Schleifen muss man einen Block bemühen, dafür hat man aber auch stehts eine wohldefinierte Ausführungssemantik. Das ist bei BPMN nicht garantiert und wird noch den einen oder anderen wundern. Zum anderen gibt es Hersteller in deren Produkte man BPMN modelliert, das Modell aber als BPEL ausgeführt wird. Bei Intalio beispielsweise bekommt man das BPEL-Modell nicht zu Gesicht, Ausführungsevents werden beim Monitoring auf das BPMN-Modell abgebildet, sodass man gar nicht merkt (merken muss), dass dort eine andere Sprache am Werk ist.

    Daher denke ich, dass es im Grunde egal ist welche Sprache eine Engine spricht. Die meisten Engines benutzen ohnehin ihre eigenen virtuellen Maschinen für die Ausführung und bilden die Serialisierungen darauf ab.

    Die Vorteile von BPMN 2.0 sehe ich klar in der Modellierung und in der Wegbereitung zur Ausführung. Durch die Definition einer Ausführungssemantik sind sich alle einig, wie das Modell zu interpretieren ist und wie Datenflüsse zu modellieren sind. Das ist ein riesiger Fortschritt. Für die Rolle als standard-basiertes Austauschformat für ausführbare Prozesse halte ich die aktuelle Version jedoch für zu unpräzise. Hier hat BPEL noch die Nase vorn. Daher das “langfristig” zu Beginn.

    Beste Grüße,
    Tammo van Lessen

    Comment | 31 May 2010
  • Dr. Martin Bartonitz

    Frank Leymann von der Universität Stuttgart kam vorgestern auf dem BPMN Anwendertatg 2010 in seinem Vortrag BPMN 2.0 versus BPEL auf eine ähnliche langfristige Einschätzung. Mit der Serialisierung der BPMN 2.0 wird BPEL voraussichtlich verdrängt werden, siehe die Zusammenfassung von Prof. Allweiyer dazu.

    Comment | 16 October 2010

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